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Offenes Notizbuch mit handgeschriebenen Notizen auf einem Holztisch neben einer Tasse Kaffee

Wie du deine erste Erinnerung aufschreibst

Ein einfacher Einstieg in die autobiografische Schreibpraxis. Wir zeigen dir, wie du ohne Perfektionismus beginnst und deine Gedanken aufzeichnest.

6 Min Anfänger März 2026

Warum die erste Erinnerung zählt

Deine erste aufgeschriebene Erinnerung ist nicht die älteste oder die wichtigste — sie ist der Anfang. Der Moment, in dem du merkst, dass deine Geschichte es wert ist, erzählt zu werden. Das ist viel mehr wert als Perfektion.

Viele Menschen warten darauf, dass sie genug Schreiberfahrung haben. Sie warten auf Inspiration. Sie warten, bis sie wissen, wie man es “richtig” macht. Hier’s der Deal: Es gibt kein Richtig oder Falsch bei deinen eigenen Erinnerungen. Was du aufschreibst, ist automatisch authentisch, weil es von dir kommt.

Nahaufnahme von Handschrift in einem Journal mit bunten Markierungen

Wähle eine ruhige Erinnerung

Du musst nicht mit deinem dramatischsten Moment beginnen. Tatsächlich ist es besser, wenn du nicht. Suche dir eine Erinnerung aus, die dir relativ leicht zugänglich ist — eine, bei der du die Details noch kennst, ohne in intensive Gefühle zu versinken.

Das könnte sein:

  • Ein normaler Tag in der Schulzeit
  • Eine Mahlzeit mit der Familie
  • Ein Moment mit einem Freund oder einer Freundin
  • Ein Ort, an dem du gerne Zeit verbracht hast

Die beste erste Erinnerung ist eine, bei der du mindestens 5-10 konkrete Details erinnern kannst. Nicht alles. Nur genug, um die Geschichte zu erzählen.

Person sitzt in gemütlichem Lesesessel und schaut nachdenklich aus dem Fenster

Tipp: Schau dir alte Fotos an oder höre alte Musik aus dieser Zeit. Das aktiviert dein Gedächtnis auf eine Weise, die einfach Nachdenken nicht schafft.

Schreib einfach auf, was du siehst

Schreibtisch mit Stift, Notizbuch und einer Tasse Tee in warmer Beleuchtung

Jetzt kommt der wichtigste Teil. Schreib nicht “schöne” Sätze. Schreib das auf, was du siehst, hörst und fühlst. Keine Editorialzensur. Keine innere Kritik.

Beginne mit den visuellen Details. Wie sah der Ort aus? Welche Farben erinnerst du? War es hell oder dunkel? Dann kommen die Menschen — wer war dort? Was haben sie getragen? Wie haben sie geredet? Schließlich die Gefühle — was hast du gespürt? War es gemütlich, aufregend, seltsam?

Du schreibst wahrscheinlich nicht mehr als 300-400 Wörter für deine erste Erinnerung. Das ist vollkommen in Ordnung. Länge bedeutet nicht Qualität. Ein paar lebendige Sätze sind besser als eine langweilige halbe Seite.

Überprüf auf Authentizität, nicht Grammatik

Wenn du fertig geschrieben hast, lies das Ganze durch. Aber nicht, um Fehler zu finden. Lies es, um zu überprüfen, ob es sich wahr anfühlt. Klingt das wie deine Stimme? Oder klingt es, als hätte jemand anderes es geschrieben?

Das ist der einzige Test, der zählt. Kommas können später korrigiert werden. Ein Text, der unecht klingt, kann nicht einfach korrigiert werden.

Falls du merkst, dass etwas nicht stimmt, ändere es. Ersetze formale Phrasen durch Worte, die du wirklich verwendest. Verkürze lange Sätze. Füge ein Detail hinzu, das du anfangs vergessen hast.

Hände einer Person, die über einem Journal nachdenkt, mit Kaffee daneben

“Die beste Erinnerung ist die, die du aufschreibst. Nicht die perfekteste. Nicht die längste. Die, die du tatsächlich aufschreibst.”

— Petra Zimmermann

Dein nächster Schritt

Du hast jetzt deine erste Erinnerung aufgeschrieben. Das ist bereits ein großer Schritt. Manche Menschen schreiben dann sofort eine zweite auf. Andere lesen ihre erste mehrmals und lassen sie wirken. Beide Ansätze sind richtig.

Was wichtig ist: Du hast angefangen. Du hast deine Stimme gefunden. Und du weißt jetzt, dass es möglich ist, deine Geschichten aufzuschreiben, ohne dass alles perfekt sein muss.

In den nächsten Wochen wirst du feststellen, dass sich mehr Erinnerungen öffnen. Eine Erinnerung führt zur nächsten. Und plötzlich hast du nicht nur eine Geschichte — du hast viele. Das ist wie das Schreiben funktioniert.

Hinweis

Dieser Artikel bietet Anleitung und Inspiration für deine persönliche Schreibpraxis. Jeder Mensch hat einen einzigartigen Zugang zu seinen Erinnerungen. Falls das Aufschreiben von Erinnerungen für dich emotional belastend ist, möchten wir dir empfehlen, mit einem Therapeuten oder einer Therapeutin zu sprechen. Deine emotionale Gesundheit ist wichtiger als jedes Schreibprojekt.